Retargeting bezeichnet die erneute Ansprache von Menschen, die bereits Kontakt mit Ihrem Unternehmen hatten. Eine Anzeige kann beispielsweise frühere Websitebesucher erreichen. Grundlage können je nach Plattform auch App-Nutzung, Video-Interaktionen oder zulässig verwendete Kundendaten sein.
Für die Planung zählen drei Fragen: Welche Kontakte möchten Sie erneut erreichen, welches Angebot passt zu ihnen und wie lässt sich der zusätzliche Nutzen der Werbung beurteilen?
Retargeting, Remarketing und Neukundengewinnung
Retargeting und Remarketing werden in der Praxis teilweise gleichbedeutend verwendet. Verlassen Sie sich deshalb nicht allein auf die Bezeichnung eines Angebots. Lassen Sie Datenquelle, Werbekanal und Zielgruppe konkret beschreiben.
Google bezeichnet frühere Remarketing-Segmente inzwischen als Segmente mit selbst erhobenen Daten. Gemeint sein können unter anderem Websitebesucher, App-Nutzer oder Personen mit früheren YouTube-Interaktionen.
Neukundengewinnung und Retargeting sind keine Gegensätze: Auch jemand, der Ihr Angebot schon angesehen hat, kann später erstmals Kunde werden. Die Unterscheidung betrifft zunächst den vorherigen Kontakt. Eine Kampagne für bisher unbekannte Interessenten und eine Kampagne zur erneuten Ansprache sollten deshalb getrennt auswertbar sein.
Welche Zielgruppen sinnvoll sein können
Planen Sie Segmente anhand einer erkennbaren Aufgabe. Ein allgemeiner Websitebesuch sagt weniger über ein konkretes Interesse aus als der Besuch einer passenden Angebotsseite. Gleichzeitig muss eine Zielgruppe groß genug sein, damit die gewählte Plattform sie überhaupt verwenden kann.
- Besucher einer Leistungsseite: Eine erneute Anzeige kann den nächsten Schritt erklären oder eine häufige Frage zum Angebot beantworten.
- Besucher mit begonnenem Kauf: Im Handel kann eine erneute Ansprache an ein angesehenes Produkt oder einen noch offenen Einkauf anknüpfen.
- Bereits gewonnene Kontakte: Für eine Kampagne zur ersten Anfrage sollten vorhandene Anfragen oder Käufer als Ausschluss geprüft werden. Für ein passendes Folgeangebot kann eine getrennte Kampagne sinnvoll sein.
Hypothetisches Beispiel: Ein Unternehmen bietet Wartungsverträge an. Besucher der entsprechenden Leistungsseite sollen eine Anzeige mit Informationen zum Wartungsablauf erhalten. Personen, die bereits eine Anfrage gesendet haben, werden nach Möglichkeit aus dieser Kampagne ausgeschlossen. Das Beispiel beschreibt eine mögliche Planung, keinen nachgewiesenen Kundenerfolg.
Was vor dem Start geklärt sein sollte
Dokumentieren Sie Datenquelle, Mitgliedschaftsdauer, Ausschlüsse und Ziel der Kampagne. Prüfen Sie anschließend, ob die Einstellungen tatsächlich nur die gewünschte Gruppe erreichen. In Google Ads kann eine optimierte Ausrichtung über die gewählten Segmente hinausgehen. Bei Performance Max sind Zielgruppensignale keine feste Begrenzung auf ehemalige Besucher. Das erläutert Google in seiner Dokumentation zu Datensegmenten und Ausrichtung.
Eine einzige Mindestgröße für alle Retargeting-Kampagnen gibt es nicht. Voraussetzungen unterscheiden sich nach Plattform, Netzwerk und Datentyp. Prüfen Sie daher vor der Planung größerer Budgets die aktuelle Freigabe und Auslieferbarkeit im betreffenden Konto.
Begrenzen Sie wiederholte Ansprache dort, wo der Kampagnentyp entsprechende Einstellungen bietet. Google dokumentiert Frequency Capping für Display- und Videokampagnen. Eine solche Einstellung ist nicht in jeder Kampagnenart in derselben Form verfügbar. Bewerten Sie Häufigkeit zusammen mit Reichweite, Kosten und Ergebnissen.
Dynamisches Remarketing mit Produktdaten
Dynamisches Remarketing kann Anzeigen auf Grundlage zuvor betrachteter Produkte oder Leistungen zusammensetzen. Dafür müssen Ereignisse und Produktkennungen zur verwendeten Datenquelle passen. Ein fehlerhafter Abgleich kann unpassende oder nicht mehr verfügbare Angebote erzeugen.
Prüfen Sie Datenqualität, Verfügbarkeit, Ausschlüsse und die zulässige Nutzung der Zielgruppendaten. Wiederholte Werbung ist nicht bei jedem Produkt und in jeder Situation sinnvoll. Technische Voraussetzungen erklärt Google zum dynamischen Remarketing; Produktdaten behandelt unser Shopping-Ratgeber.
Einwilligung und Datennutzung
Für Google-Produkte, auf die die EU User Consent Policy Anwendung findet, verlangt Google im Europäischen Wirtschaftsraum, im Vereinigten Königreich und in der Schweiz eine rechtsgültige Einwilligung in die Erhebung, Weitergabe und Nutzung personenbezogener Daten zur Personalisierung von Werbung. Für Cookies oder andere lokale Speicherung gilt die Einwilligungsanforderung dort, wo sie gesetzlich vorgeschrieben ist.
Die Richtlinie verlangt außerdem Aufzeichnungen über erteilte Einwilligungen und verständliche Hinweise zum Widerruf. Ein eingeblendetes Banner allein belegt noch nicht, dass Tags, Datenübermittlung und Widerruf richtig funktionieren. Prüfen Sie diese Abläufe in der technischen Umsetzung und stimmen Sie die konkrete Datennutzung mit Ihrer Datenschutzverantwortung ab. Auch bei Kundenlisten sind Herkunft und zulässiger Verwendungszweck zu klären.
Die technischen Grundlagen erklärt unser Eintrag zu Cookies. Er ersetzt ebenso wenig wie dieser Artikel die Prüfung Ihres konkreten Setups.
Erfolg messen, ohne den Beitrag zu überschätzen
Eine zugeordnete Conversion zeigt, dass ein im System erfasster Anzeigenkontakt mit einer späteren Handlung verknüpft wurde. Sie beantwortet noch nicht, ob die Handlung ohne diese Anzeige ausgeblieben wäre. Gerade bereits interessierte Besucher könnten auch ohne weitere Werbung zurückkehren.
Behalten Sie deshalb qualifizierte Anfragen oder Käufe, Kosten, Reichweite und Häufigkeit im Blick. Trennen Sie Ergebnisse nach Segment und berücksichtigen Sie die verwendeten Attributionsfenster. Ein Vergleich zweier Monate kann Hinweise liefern; saisonale Veränderungen und andere Kampagnen erschweren aber eine eindeutige Zuordnung.
Kontrollgruppen können helfen, den zusätzlichen Beitrag der Werbung zu untersuchen. Google beschreibt diesen Ansatz unter Conversion Lift. Solche Tests brauchen geeignete Konten, Kampagnen und genügend Daten. Ihre Verfügbarkeit und Aussagekraft müssen vorab geprüft werden.
Häufige Fragen zu Retargeting
Erreicht Retargeting automatisch alle früheren Besucher?
Nein. Einwilligungen, verfügbare Daten, technische Erkennung, Zielgruppengröße und Plattformregeln begrenzen die erreichbaren Personen. Die Zahl der Websitebesucher entspricht daher nicht automatisch der nutzbaren Zielgruppengröße.
Ist Retargeting immer günstiger als andere Werbung?
Nein. Anzeigenpreise, Wettbewerb, Zielgruppe und Angebot unterscheiden sich. Vergleichen Sie die Kosten einer qualifizierten Anfrage oder eines Kaufs und prüfen Sie, welchen zusätzlichen Beitrag die erneute Ansprache leistet.
Wie oft sollte jemand eine Anzeige sehen?
Eine allgemeine Zahl ist dafür nicht belastbar. Der passende Rahmen hängt unter anderem vom Entscheidungsweg und vom Angebot ab. Prüfen Sie die verfügbaren Begrenzungen und beobachten Sie, ob zusätzliche Anzeigenkontakte noch zu qualifizierten Anfragen oder Käufen beitragen.
Wie Retargeting zu Ihren weiteren Kampagnen passt, klären wir im Rahmen der Google-Ads-Betreuung. Auch die Zielseite sollte den nächsten Schritt verständlich machen; dazu finden Sie mehr im Eintrag Landingpage.
